Der eine meldet ein Produkt an der Kasse an. Der andere trägt die Information selbst. Der Handel wechselt gerade langsam vom ersten zum zweiten.
Ein klassischer Handelsbarcode ist eine Produktnummer und sonst nichts. Die Striche auf der Müslipackung kodieren zwölf Ziffern, und jeder Preis, jeder Name und jeder Lagerbestand liegt in einer Datenbank, auf die diese Nummer verweist. Ohne diese Datenbank bedeutet der Barcode nichts.
Ein QR-Code trägt die Information selbst. Er fasst bis zu 7.089 Ziffern oder 4.296 alphanumerische Zeichen, also passen die vollständige Adresse, die vollständige Kontaktkarte oder die vollständigen WLAN-Zugangsdaten in das Muster. Kein Nachschlagen, keine Datenbank, kein System, mit dem man verbunden sein müsste.
Der Unterschied, auf den es ankommt, ist nicht eine gegen zwei Dimensionen. Es ist Verweis gegen Inhalt. Ein Barcode verweist auf etwas. Ein QR-Code enthält etwas.
Der Kapazitätsunterschied ist nicht graduell, sondern drei Größenordnungen, und genau deshalb werden beide für völlig verschiedene Dinge eingesetzt.
| UPC-A-Barcode | QR-Code | |
|---|---|---|
| Form | Striche, entlang einer Achse gelesen | Quadrate, entlang zweier Achsen gelesen |
| Maximale Daten | 12 Ziffern | 7.089 Ziffern oder 4.296 Zeichen |
| Enthält eine Webadresse | Nein | Ja |
| Schadenstoleranz | Prüfziffer erkennt Fehler nur | Stellt bis zu 30 Prozent wieder her |
| Braucht eine Datenbank | Ja, um überhaupt etwas zu bedeuten | Nein |
| Von einer normalen Handykamera lesbar | Meist nur mit App | Ja, ohne Zusatz |
Ein UPC-Barcode hat eine Prüfziffer, mit der ein Scanner bemerkt, dass eine Lesung falsch war. Mehr als bemerken kann er nicht. Ist ein Strich zerkratzt, verschmiert oder eingerissen, lässt sich der Barcode nicht wiederherstellen, und die Nummer wird von Hand eingetippt.
Ein QR-Code nutzt Reed-Solomon-Fehlerkorrektur, die Schäden nicht nur erkennt, sondern die fehlenden Daten aus gezielt über das Muster verteilter Redundanz wiederaufbaut. Es gibt vier Stufen: etwa 7, 15, 25 und 30 Prozent wiederherstellbar, benannt L, M, Q und H. Auf der höchsten Stufe kann fast ein Drittel des Codes zerstört sein und er wird trotzdem gelesen.
Das ist zugleich der Mechanismus, der ein Logo in der Mitte eines QR-Codes überhaupt ermöglicht. Das Logo ist ein Schaden. Die Fehlerkorrektur fängt ihn auf, deshalb lautet der Standardrat, beim Einfügen die Korrekturstufe anzuheben, und deshalb zerstört ein zu großes Logo den Code trotzdem, egal welche Stufe Sie wählen.
Angesichts alldem stellt sich die Frage, warum der Handel nicht längst gewechselt hat. Die Antwort ist kein technischer Konservatismus, sondern Infrastruktur, und die Gründe sind gut.
Diese Begründung gibt es inzwischen, und der Übergang läuft offiziell. Im Rahmen der Initiative GS1 Sunrise 2027 sollen Kassensysteme in mehr als vierzig Ländern bis Ende 2027 in der Lage sein, 2D-Codes zu lesen, also GS1 DataMatrix und GS1 Digital Link QR-Codes. Walmart, Carrefour, Tesco und andere haben Fahrpläne veröffentlicht und rüsten ihre Scanner bereits um.
Der Reiz liegt darin, dass ein einziger Code auf der Packung Kasse und Kundschaft zugleich bedient. Dasselbe Quadrat kann die Produktnummer für den Kassiervorgang tragen sowie Chargennummer, Haltbarkeitsdatum und einen Link zu Allergenhinweisen, Zutaten oder Recyclinganweisungen. Während des Übergangs soll die Verpackung beide Markierungen tragen, die Striche verschwinden also so bald nicht.
Ein Vorbehalt, der klar gesagt gehört, weil dieser Artikel hier in die Irre führen könnte: Ein GS1-Digital-Link-QR-Code ist nicht einfach ein QR-Code mit Ihrer Website darin. Er kodiert eine lizenzierte GTIN in einer festgelegten Struktur. Ein Code aus diesem Generator oder aus irgendeinem Allzweckwerkzeug funktioniert an keiner Supermarktkasse. Wenn Sie ein Produkt für den Handel verpacken, ist Ihr Ausgangspunkt GS1, nicht ein kostenloses Werkzeug.
Für fast alle, die das hier lesen, beantwortet sich die Frage von selbst, aber die Grenze gehört ausdrücklich benannt.
Ein verbreitetes Missverständnis sei ausgeräumt: Ein QR-Code ist ein Barcode, nämlich ein zweidimensionaler. Wer "Barcode" sagt, meint meist die eindimensionale Handelsvariante, und wer "einen Barcode, keinen QR-Code" verlangt, meint fast immer einen UPC oder EAN fürs Ladenregal, was eine GS1-Angelegenheit ist und keine gestalterische.
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